Meine Reise nach Aotearoa

Auslandsjahr in Neuseeland

11Sept
2016

Outdoor Trip im Kahurangi Nationalpark

Kia ora!

Der Kahurangi Nationalpark ist der zweitgrößte Nationalpark Neuseelands und liegt ca. 1,5 h Autofahrt entfernt westlich von Nelson. Dort waren wir von Mittwoch bis Freitag wandern und campen, was eine neue und super tolle Erfahrung für mich war.

Am Mittwoch haben sich die beiden internationalen Outdoor Education Klassen an der Schule getroffen, wir haben letzte Vorbereitungen getroffen und z.B unsere Rucksäcke gewogen, meiner war ca. 14 kg schwer. Danach sind wir mit vier Outdoor Ed Lehrern in Vans zum Flora Carpark gefahren, von wo unser Abenteuer beginnen konnte. Es gab vier Gruppen, meine war die größte mit 10 Mädchen und unserem Lehrer Mr. Valentine, den alle nur Mr. V nennen. Als wir losgelaufen sind, hat es schon angefangen zu regnen, was sich bald in Hagel und später einen kleinen Schneesturm verwandelt hat. Trotzdem waren wir guter Dinge und sind dem Waldpfad gefolgt, der zu Beginn noch breit genug für Autos war, aber immer enger und schließlich zu einem Singletrail wurde. Mehrere Male mussten wir über schmale Hängebrücken Flüsse überqueren oder auch durch das Wasser waten, aber wir waren ja eh schon nass. Es war auf jeden Fall super grün und der Wald hat einen ein bisschen vor dem Wetter geschützt, sodass man nur auf kleinen Lichtungen den Schnee abbekommen hat. Der Pfad ging die ganze Zeit bergauf, was vor allem für ein Mädchen namens Sofia aus Brasilien anstrengend wurde, da ihr übel war, vermutlich wegen Dehydration. Nach etwa 10 km sind wir dann aus dem Wald rausgekommen und standen plötzlich in einer total unwirklich aussehenden Landschaft mit hellbraunen Grasbüscheln, die mit Schnee bedeckt waren und einem lehmigen Boden, so dass ein paar Leute in bis zu kniehohe Matschlöcher reingetreten sind. Dennoch sah diese neue Umgebung ziemlich toll aus und man hat sich ein bisschen wie in Herr der Ringe gefühlt. Nach 1-2 weiteren Kilometern und in anbrechender Dunkelheit sind wir dann endlich nass und frierend, aber glücklich an der Salisbury Lodge angekommen, wo wie die erste Nacht verbringen wollten. Die Hütte war ziemlich groß, sodass drei der vier Gruppen dort geschlafen haben, da niemand mehr Lust hatte, draußen zu campen und auch sehr viel mehr Schnee lag, als eigentlich angesagt war. Nachdem wir also unser Abendessen (Reis mit Curry aus der Tüte) gegessen und uns am Feuer aufgewärmt hatten, sind wir dann totmüde in unseren Schlafsäcken eingekuschelt eingeschlafen.

Der zweite Tag startete mit Sonnenschein und einer superschönen Schneelandschaft direkt vor der Tür und es war so friedlich, dass ich in dem Moment definitiv nicht gedacht hätte, dass dieser Tag sehr viel härter und überhaupt nicht mit dem ersten zu vergleichen sein werden würde. Dadurch, dass wir drei Gruppen im selben Haus waren, konnten wir die Teams neu mischen und die Lehrer überlegten sich drei unterschiedlich anspruchsvolle Trips. Ich beschloss mit 5 anderen Mädchen und 3 Jungs zur Mount Arthur Hut zu wandern, was der schwierigste Weg war, aber ich wollte unbedingt die Aussicht von den Bergen aus sehen. Unser Leader war Dave, er ist 31 Jahre alt und arbeitet als Outdoor Instructor und verbringt sein Leben eigentlich größtenteils mit Gruppen in der Wildnis. Wir starteten also und begannen erst ein Stückchen zurück zu laufen und dann auf den Track zur Gordons Pyramid abzubiegen, ein 1489 m hoher kegelförmiger Berg. Am Anfang war der Weg noch recht einfach, doch dann kamen wir in den Wald, wo es so steil wurde, dass wir teilweise richtig klettern mussten. Es sah aber wunderschön aus, der Schnee vor uns war noch unberührt und den Weg konnte man nur dank der Kennzeichnungen an den Bäumen erkennen. Die anderen haben die ganze Zeit gesagt, dass es wie in Narnia aussehe, wobei ich an dieser Stelle gestehen muss, dass ich das nie gesehen habe... Schließlich sind wir aus dem Wald rausgekommen und mussten den letzten Kilometer ohne Schutz vor Wind den Gipfel besteigen. Durch neuen, tiefen Schnee einen steilen Hang hoch zu stapfen und dabei fast weggepustet zu werden war ziemlich anstrengend und extrem kalt. Ich schätze, dass wir alle an unsere Grenzen gekommen sind und einige waren kurz davor aufzugeben, wobei wir aber zum Glück Dave hatten, der uns die ganze Zeit motiviert hat und wir waren auch wirklich ein gutes Team, das sich die ganze Zeit unterstützt hat. Auf der Spitze konnten wir die Sicht nicht wirklich genießen, weil wir so froren, und wir setzten unsere Wanderung fort, mussten jedoch nach kurzer Zeit wieder umkehren, weil Dave wegen des Wetters und des tiefen Schnees nicht den kürzeren und dafür gefährlicheren Weg nehmen wollte. Daher entschieden wir uns für einen anderen Weg, der im Windschatten des Berges wieder Richtung Flora Hut, also nur zwei Kilometer unseres Ausgangspunkt am ersten Tag, führte. Hier konnten wir auch endlich die Sicht genießen, weil es hinter dem Berg sehr viel wärmer war. Wir liefen also den Weg zurück zur Flora Hut, ein total hübscher Waldpfad, aber als wir an der Hütte waren, waren wir schon ziemlich ausgepowert, sodass wir erstmal eine längere Pause machten. Hier trafen wir wir auch eine der anderen Gruppen, die in der Hütte übernachten wollte. Schließlich brachen wir also, mit einer Person weniger, wieder auf, um die letzten 3,5 km zur Mount Arthur Hut zu überwinden. Diese ist aber wieder 300 Höhenmeter höher, sodass wir ungefähr alle 10 Minuten eine Pause machen mussten, weil wir einfach nicht mehr konnten. Als wir aber diesmal aus dem Wald kamen, wurden wir mit einer gigantischen Aussicht auf Mount Arthur belohnt. Die Gräser waren hier eher rot und orange und teilweise mit Schnee bedeckt, was im Abendlicht einfach nur wunderschön aussah. Als wir dann endlich die kleine Hütte erreichten, waren wir alle erstmal extrem erleichtert und stolz auf uns selber. Da macht es einem auch nichts mehr aus, das die Wasserleitung eingefroren war und es über eine Stunde dauerte das Feuer anzubekommen... Den Abend genossen wir dann einfach in unserer warmen Unterkunft mit heißer Schokolade und Musik, zu der Dave dann für uns tanzte, was zu einem super lustigem Aufenthalt führte.

Am nächsten Morgen weckte Dave uns dann um 6 Uhr und wir liefen ein Stück den Mount Arthur herauf, sodass wir dann bei einem 360° Blick den Sonnenaufgang ansehen konnten. Das war ein Moment, den ich vermutlich nie mehr vergessen werde... Nach einem gemütlichen Frühstück machte ein Teil der Gruppe einen Spaziergang, da wir noch Zeit hatten, bevor wir wieder zum Parkplatz mussten. Wir bestiegen den Berg also noch ein Stückchen weiter, bis wir zu einem steilen Hang kamen, der aus Schnee und Eis bestand, wo wir dann auf dem Po herunterrutschten. Schließlich mussten wir wieder zur Hütte zurück, holten unsere Sachen und machten uns zu dem Treffpunkt auf, wo wir mit den anderen verabredet waren...

Mein Fazit: Ich habe die Zeit da draußen total genossen und wäre super gerne noch länger geblieben. Je länger wir gelaufen sind und uns in dem Nationalpark aufgehalten haben, desto besser ging es mir und man fühlt sich nach einiger Zeit einfach nur total frei und halt einfach so, wie man ist - ohne Handy, Internet, Make-up oder Markenkleidung, weil das Aussehen einfach total egal ist. Man lernt viel über sich selber und ich bin stolz, auf mich und mein Team, wie wir alles gemeinsam gemeistert haben! Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt auf das nächste Camp! Danke, an alle, die diesen Trip, zu so einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben...

 

Mein Team Gordons Pyramid  Mount Arthur Hut