Meine Reise nach Aotearoa

Auslandsjahr in Neuseeland

11Dezember
2016

Heaphy Track

Jetzt melde ich mich auch mal wieder, denn ich muss unbedingt von meiner letzten Woche berichten. Ich war nämlich von Sonntag bis Donnerstag im Kahurangi National Park und bin dort mit Anna und Marlene den Heaphy Track gewandert. Der Heaphy Track ist mit ca. 80 Kilometern der längste der neun Great Walks in Neuseeland und er ist wirklich jeden Tag anders und man kommt durch total unterschiedliche Landschaften. Wir haben den Trip mit der Organisation Bush & Beyond gemacht, da wir als Minderjährige ja nicht alleine wandern gehen dürfen.

Sonntag haben wir uns mit unseren unserem Guide Luke und Meggy, sie hat sich um die Organisation und so weiter gekümmert, an der Schule getroffen und sind zur Golden Bay gefahren, wo der Heaphy Track beginnt. Dort haben wir Toni getroffen, die die ersten beiden Tage mit uns kam. Luke war 20 und Toni um die 40 und beide waren super cool. Normalerweise führen die beiden Gruppen, bei denen sie sich um Verpgflegung etc. kümmern und hatten daher ziemlich schwere Rucksäcke um Nahrungsmittel und Zelte für nächste Trips zu den einzelnen Hütten zu bringen. Wir sind also zu fünft gestartet und es ging erst einmal 17 Kilometer durch einen Birkenwald bergauf. Das Wetter war gut; sonnig, aber nicht zu warm; und wir haben immer wieder kleine Flussläufe überquert und sind an Miniwasserfällen vorbeigekommen, aus denen wir trinken konnten. Wir haben Keas und Kakas gesehen, zwei Papageienarten, und andere Vögel wie den Robin. Wir hatten Mittagessen auf dem Waldboden und sind dann ein paar Stunden später zum höchsten Punkt des Heaphy Tracks (915 Meter über dem Meeresspiegel) gekommen und von dort zu einem Aussichtspunkt gegangen. Die Aussicht ist bestimmt auch super toll, aber wir waren plötzlich mitten in einer Wolke und standen vor einer weißen Wand. Daher haben wir unseren Weg fortgesetzt und kamen wenig später an der Perry Saddle Hut an, unserer Unterkunft für diese Nacht. In der Nähe gab es einen kleinen Bach, wo wir ein paar Minuten genossen haben, bevor wir Abendessen gekocht und einfach nur froh waren den ersten Tag gemeistert zu haben. Den Abend haben wir dann mit Kartenspielen verbracht, bis wir relativ früh in unsere Betten gekrochen sind.

Am nächsten Morgen wurde ich vom Sonnenlicht aufgeweckt und habe durch das Fenster auf in Nebel gehüllte Hügel geschaut. Im Laufe des Morgens hat sich das aber aufgeklart, wir hatten Frühstück und sind dann gemütlich aufgebrochen. Für heute waren nur 12 Kilometer geplant, weshalb wir nach ca. fünf Minuten unsere Rucksäcke neben dem Track gelassen haben aund für zwei Stunden auf den 1238 Meter hohen Mount Perry geklettert sind. Ich finde es total cool, wie man richtig die Unterschieder der Landschaft sehen kann, je höher kommt. Weiter unten befindet man sich in einem Wald, in dem aber alles wegen weniger Nährstoffen etc. kleiner ist als gewohnt. Die Farben sind ein Mix aus allen vorstellbaren Rot- und Grüntönen, was total schön aussieht. Wenig später kommt man aus dem Wald und es gibt nur noch kleinere Büsche, Sträucher und Gräser, dafür aber immer mehr Steinmännchen. Auf der Spitze sind dann größtenteils Steinbrocken, auf denen man aber super gut sitzen konnte und die coole Sicht genießen konnte. Wir konnten die Hütte sehen, so wie das Gouland Down, wo wir noch am selben Tag durchwandern würden. Es war total mystisch, da man auf der einen Seite eine wunderschöne Landschaft bestaunen konnte, direkt hinter uns aber eine weiße Wolke war, die diese Seite des Berges komplett bedeckte. Wir sind dann wieder nach unten geklettert und haben den Heaphy Track fortgesetzt. Wir sind zu den Gouland Downs gekommen, was wieder komplett anders aussah. Hier waren keine Bäume mehr, nur noch hellbrauch Gräser und ein paar Sträucher. Mitten im Nirgendwo kamen wir dann zur Boot Pole Corner, wo ein hoher Pfosten mit Schuhen behängt steht. Das ist Kunst, würde ich mal sagen - oder einfach zur Freude der Wanderer gedacht. Wir haben dann Mittagspause in einer Hütte gemacht und sind danach in den Enchanted Forest (Verwunschenen Wald) gekommen. Das ist ein kleiner Birkenwald in mitten dieser Hügellandschaft, in dem alles mit Moos bedeckt ist und es einige Höhlen gibt. Wir sind also durch Höhlen gelaufen bzw. gekrochen und haben Fossilienabdrücke, sowie Wetas gefunden, das ist eine Art Schrecke. Am Rande dieses Märchenwaldes kamen wir dann zu einem kleinen Wasserfall. Schließlich sind wir wieder weitergelaufen und sind zur Saxon Hut gekommen. Dort haben wir erst einmal uns und unsere Kleidung in einem kleinen und sehr kalten Bach gewaschen und das kühle Nass genossen, bis wir dann Abendessen gekocht und ein Nachtlager unter dem freien Himmel aufgebrochen haben.

Am nächsten Morgen wurde ich von einer Wekafamilie geweckt, das sind diese total zutraulichen und flugunfähigen Vögel, die irgendwie total witzig sind. Toni ist früher aufgebrochen, da sie den kompletten Weg wieder zurücklaufen wollte und wir hatten einen entspannten Tag mit 12 Kilometern. Der Weg heute verlief durch eine ähliche Landschaft wie am voherigen Tag, aber es gab mehr Abwechslung zwischen einzelnen Abschnitten. Wir waren also relativ schnell an der James Mackay Hut, hatten Mittagessen und liefen auf einen Aussichtspunkt in der Nähe. Wenig später begann es dann zu regnen und wir blieben in der Hütte und verbrachten den Rest des Tages mit Kartenspielen. Als es dann dunkel wurde, gingen Anna, Marlene und ich noch auf eigene Faust auf Entdeckungstour und fanden einen kleinen Fluss, dem wir in der Dunkelheit lauschten. Schließlich gingen wir ins Bett und kurz vor dem Einschlafen habe ich dannn tatsächlich noch einen Kiwi gehört, was ein sehr gutes Ende für diesen Tag war!

Mittwoch mussten wir früh aufstehen, da heute unser langer Tag mit 21 Kilometern war. Es regnete schon am frühen Morgen und wurde Stunde um Stunde stärker. Da wir jetzt aber im Regenwald waren, war das Wetter ziemlich passend, und die Landschaft sah einfach nur wunderschön aus. Nach einiger Zeit waren wir trotz Regenjacken komplett nass und es war ein super gutes Gefühl durch den Regen zu wandern. Wir haben also angefangen von Pfütze zu Pfütze zu rennen und reinzuspringen, was einfach total Spaß gemacht hat. Wir mussten jetzt auch immer wieder Flüsse überqueren, die durch den ganzen Regen total angeschwollen waren, sodass Teile des Wanderwege überflutet waren und Luke einmal einer anderen Wanderin helfen mussten, die sich nicht da durch traute. Somit vergingen die 20 Kilometer wie im Fluge und wir kamen zur Heaphy Hut für die letzte Nacht. Dort waren schon einige Leute und von Kartenspielen, Kleidung, Sclafsäcken bis hin zu einem Pass musste alles zum trocknen aufgehangen werden. Der Regen wurde dann auch weniger und wir gingen am Strand spazieren, da wir ja jetzt endlich an der Westküste waren. Ich habe mich so super frei gefühlt und Anna, Marlene und ich haben einfach nur gesungen, gelacht, getanzt und es uns gut gehen lassen. Meggy kam dann auch zur Hütte und brachte frisches Essen und am Abend nahm uns der Ranger mit zum Kiwihunting. Wir haben zwar keinen gesehen, aber gehört und ein Nest mit Babywekas gefunden und die Powelliphanta gefunden, das ist eine Riesenschnecke, die geschützt ist.

Am letzten Morgen haben wir alle gehofft, dass es wieder regnet und wir vielleicht länger bleiben müssten, das war aber leider nicht der Fall.Wir sind also an der Küste entlanggewandert und haben unseren letzten Tag genossen. Heute war ich allerdings schon ziemlich erledgt, was vielleicht un unserer gestrigen Strecke lag. Wir kamen also um Mittag herum in Karamea an und fuhren mit dem Auto ca. 5 Stunden wieder nach Hause...

Ich bin unglaublich froh und stolz diese Wanderung gemacht zu haben und es tat so gut einfach in der Wildniss zu sein und die Natur zu genießen. Allerdings brauche ich jetzt erstmal eine Pause um meine Blasen und Muskelkater wieder hinzukriegen, das war es aber auf jeden Fall wert. Diese Wanderung ist definitiv eines meiner Highlights hier in Neuseeland und hat mich auch zwei Freunden nochmal viel näher gbracht... Leute, ich kann euch sagen: Ich liebe dieses Land einfach!!!